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Hallo Sportsfreunde,
es gibt Ziele, die begleiten einen über viele Monate. Man denkt jeden Tag daran, richtet seinen Alltag danach aus und stellt sich immer wieder die gleiche Frage: „Schaffe ich das wirklich?“
Genau so begann meine Reise zu meinem ersten Marathon. Am Ende standen 42,195 Kilometer, 5 Stunden und 36 Minuten, unzählige Emotionen und eine Erkenntnis: Der Marathon wurde nicht am Wettkampftag entschieden. Er wurde in den Monaten davor gewonnen.
Der Traum vom ersten Marathon
Bereits Anfang des Jahres hatte ich mir ein großes Ziel gesetzt: 2025 sollte mein erstes Marathonjahr werden. Eigentlich wollte ich in Berlin starten. Doch meine Bewerbung wurde leider nicht ausgelost. Also begann ich nach Alternativen zu suchen. Meine Wahl fiel schließlich auf den Mainova Frankfurt Marathon und heute bin ich froh darüber. Frankfurt war die perfekte Bühne für meinen ersten Marathon.
Die Vorbereitung begann Monate vorher
Schon im Januar berichtete ich hier auf meinem Blog über meine Vorbereitung. Damals schrieb ich:
„Meine längste Distanz waren bisher 21 Kilometer. Für einen Marathon muss ich deutlich intensiver trainieren.“
Genau so kam es. Mein Trainingsplan bestand aus mehreren Bausteinen.
Lauftraining
Ich kombinierte unterschiedliche Laufeinheiten:
- kurze Tempoläufe
- mittlere Dauerläufe
- lange Sonntagsläufe
- lockere Regenerationseinheiten
Mit jedem Monat wurden die Distanzen länger. Im August erreichte ich schließlich einen wichtigen Meilenstein. Meine Longruns gingen erstmals deutlich über die Halbmarathondistanz hinaus. Der längste Lauf führte mich über 28 Kilometer. Damit wusste ich: Der Körper kann diese Belastung bewältigen.
Krafttraining als Schlüssel
Mir war von Anfang an klar: Ein Marathon wird nicht nur mit den Beinen gelaufen. Deshalb trainierte ich parallel intensiv im Fitnessstudio.
Mein Fokus lag auf:
- Beinmuskulatur
- Core-Stabilität
- Rücken
- Rumpfkraft
- allgemeinem Muskelaufbau
Bereits in den ersten Monaten integrierte ich zusätzlich:
- HIIT-Training
- Liegestütze
- Kniebeugen
Rückblickend war genau diese Kombination enorm wichtig.
Ernährung und Regeneration
Auch meine Ernährung spielte eine große Rolle.
Ich hatte bereits zu Beginn des Jahres:
- fünf Tage Heilfasten durchgeführt,
- mein intermittierendes Fasten etabliert,
- mich weitestgehend glutenfrei ernährt,
- mein Körpergewicht reduziert.
Gleichzeitig achtete ich bewusst auf ausreichend Schlaf. Mindestens sieben Stunden waren mein persönliches Ziel.
Heute weiß ich: Training macht dich stärker.
Regeneration macht dich leistungsfähig.
Mindset – der wichtigste Muskel
Neben dem körperlichen Training arbeitete ich täglich an meinem Kopf.
Ich nutzte:
- Affirmationen
- Atemübungen nach der Wim-Hof-Methode
- Visualisierung
- Meditation
Damals wusste ich noch nicht, wie wichtig genau dieses mentale Training im Marathon werden würde.
Dann kam der Rückschlag
Eigentlich lief alles nach Plan, doch Anfang September erwischte mich eine Erkältung. Von heute auf morgen musste ich mein Training deutlich reduzieren und weitere Longruns waren nicht mehr möglich. Natürlich kamen Zweifel auf. Reicht meine Vorbereitung? Hätte ich noch mehr trainieren müssen?
Heute weiß ich: Manchmal muss man akzeptieren, dass der Körper Vorrang hat. Gesundheit geht immer vor.
Frankfurt – endlich war der große Tag da
Gemeinsam mit meiner Frau reiste ich nach Frankfurt. Sie begleitete mich an diesem besonderen Wochenende und unterstützte mich vom ersten bis zum letzten Moment. Mit unserem Hotel hatten wir einen echten Glücksgriff. Das Villa Hotel Frankfurt lag nur wenige Gehminuten vom Messegelände entfernt, wo die Startunterlagen ausgegeben wurden, und auch der Startbereich war bequem zu Fuß erreichbar. Besser hätte es kaum sein können!
Das Wetter spielte verrückt
Der Samstag begrüßte uns mit echtem Herbstwetter. Es regnete in Strömen, dazu kam ein starker Wind. Ich war total verunsichert, denn welche Kleidung würde am Sonntag die richtige sein? Nach langem Überlegen entschied ich mich für die wärmere Laufbekleidung, was im Nachhinein genau die richtige Entscheidung war.
Die Atmosphäre war unbeschreiblich
Schon vor dem Start spürte man:
Das wird ein besonderer Tag.
Tausende Läufer. Tausende Zuschauer. Überall Vorfreude. Während des gesamten Marathons sorgten unzählige Menschen für eine fantastische Stimmung.
Es gab:
- Live-DJs
- Drummer
- Musikgruppen
- jubelnde Zuschauer
- motivierende Plakate
- Verpflegungsstationen
Ich hatte ständig Gänsehaut und genau diese Begeisterung hatte allerdings auch einen kleinen Nachteil…
Mein größter Fehler
Ich ließ mich von der Stimmung mitreißen sowas von mitreißen! Die ersten Kilometer fühlten sich unglaublich leicht an. Zu leicht! Ich lief deutlich schneller, als ich ursprünglich geplant hatte.
Heute würde ich sagen: Ich habe mein Pulver zu früh verschossen.
Ein typischer Anfängerfehler, aber vermutlich gehört genau diese Erfahrung zum ersten Marathon dazu.
Kilometer 30 – der eigentliche Marathon beginnt
Bis Kilometer 30 lief alles erstaunlich gut, voller Leichtigkeit. Dann änderte sich alles. Meine Beine wurden immer schwerer und die Energie ließ nach. Die Muskulatur machte langsam zu und ich musste immer häufiger kurze Gehpausen einlegen.
Und genau dort begann der eigentliche Marathon! Nicht körperlich, sondern mental!
Der Kampf gegen mein Ego
Ich hatte mir vorgenommen, den gesamten Marathon durchzulaufen, aber plötzlich ging ich. Immer und immer wieder. Das gefiel meinem Ego überhaupt nicht! In meinem Kopf lief ein permanenter Dialog.
„Du darfst jetzt nicht gehen.“
„Das ist doch nicht dein Ziel gewesen.“
Doch irgendwann änderte ich meine Perspektive.
Was war eigentlich mein Ziel?
War es eine bestimmte Zeit?
Oder war es, meinen ersten Marathon zu finishen?
Die Antwort war eindeutig.
Also hörte ich auf, gegen mich selbst zu kämpfen. Ich akzeptierte die Situation, sammelte neue Kraft und lief weiter.
Das Ziel
Nach 5 Stunden und 36 Minuten war es endlich geschafft. Ich überquerte die Ziellinie!
Mein erster Marathon, 42,195 Kilometer! Unbeschreiblich!!!
Denn bei einem ersten Marathon zählt nur eines: Ankommen.
Nicht die Zeit. Nicht die Platzierung. Nicht das Tempo. Sondern das Finish.
Ein Blick auf die Statistik
Ein Marathon gilt weltweit als eine der größten Ausdauersport-Herausforderungen.
Schätzungen zufolge haben deutlich weniger als 1 % der Weltbevölkerung jemals einen Marathon erfolgreich gefinisht.
Allein diese Zahl zeigt, wie besonders dieses Erlebnis ist.
Ein Moment, der mich nachdenklich machte
So beeindruckend das Laufevent war, gab es einen Punkt, der mich im Nachgang wirklich lange beschäftigt hat.
Direkt am Start ließen unzählige Läufer Jacken, Pullover und andere Kleidungsstücke zurück, die sie lediglich zum Warmhalten getragen hatten. LKW voller Kleidung wurden eingesammelt. Ich weiß, dass bei vielen großen Marathons ein Teil dieser Kleidung gespendet oder weiterverwendet wird. Trotzdem machte mich die schiere Menge nachdenklich. In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit immer wichtiger wird, wünsche ich mir Lösungen, die Ressourcen noch bewusster nutzen.
Das war tatsächlich einer der wenigen Momente, die mich an diesem Wochenende traurig gemacht haben.
Warum dieser Marathon für mich so viel mehr bedeutet
Wer meine Geschichte kennt, weiß, warum dieser Marathon für mich weit mehr war als ein sportliches Event. Mit Anfang zwanzig erlitt ich eine schwere Knieverletzung.
- Kreuzbandriss
- Meniskusriss
- Knorpelschaden
Vor der Operation sagte mir ein Arzt:
„Ihr Knie sieht aus wie das eines 80-Jährigen. Sport werden Sie vermutlich nie wieder richtig machen können.“
Diese Worte hatten sich tief in meinem Unterbewusstsein festgesetzt. Sehr viele Jahre lang. Mit jedem Lauf kämpfte ich unbewusst gegen genau diesen Satz an.
Der Marathon war deshalb nicht nur ein sportliches Ziel. Er war ein persönlicher Befreiungsschlag! Mit dem Zieleinlauf konnte ich diesen Gedanken endlich loslassen. Ich habe mir selbst bewiesen, dass Prognosen keine Grenzen sind.
Worauf ich heute am meisten stolz bin
Nicht auf die Medaille.
Nicht auf die Zeit.
Nicht auf die Urkunde.
Ich bin stolz auf die Disziplin.
Auf die Monate der Vorbereitung.
Auf die unzähligen Trainingseinheiten.
Auf die Rückschläge.
Auf das Wiederaufstehen.
Und darauf, dass ich niemals aufgegeben habe.
Ich bin verdammt stolz den Lauf gefinisht zu haben!
Meine Botschaft an dich
Lass dir niemals von anderen Menschen sagen, was du angeblich nicht kannst. Höre auf deinen Körper. Höre auf dein Bauchgefühl und glaube an dich – nur an dich! Denn oft sind es nicht unsere körperlichen Grenzen, die uns aufhalten, es sind die Geschichten, die wir uns selbst erzählen. Ich habe meine Geschichte neu geschrieben und vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, dass auch du deine neu schreibst.
Denn eines habe ich auf den 42,195 Kilometern gelernt: Du kannst mehr, als du heute glaubst.
Du musst nur bereit sein, den ersten Schritt zu gehen.
POV: Statistisch gesehen haben weniger als 0,1 % der Weltbevölkerung jemals einen Marathon absolviert. Jährlich finishen weltweit etwa 1,1 bis 1,3 Millionen Menschen einen Marathonlauf, was bezogen auf die globale Bevölkerung lediglich etwa 0,01 % bis 0,17 % entspricht.
Beste Grüße voller Überzeugung
Matthias



